Das Autograph der Chorlieder 1-4 aus "Sieben Lieder
für gemischten Chor" op. 62 befand sich in
den USA in Privatbesitz. Lange Zeit galt es als verschollen
und konnte nur durch die großzügige Förderung
der Kulturstiftung der Länder (Berlin), der Kulturstiftung
des Landes Schleswig-Holstein sowie der Possehl-Stiftung
erworben werden.
Es handelt sich um eine Reinschrift, die Brahms auf Wunsch
des Bremer Musikdirektors Carl Reinthaler angefertigt hat.
Die Quelle umfasst 10 Seiten und ist mit "Ostermontag
[18]74" datiert. Das op. 62 umfasst insgesamt sieben
Lieder für vierstimmigen gemischten Chor (nach Texten
von Paul Heyse und aus der berühmten Textsammlung "Des
Knaben Wunderhorn" von Achim von Arnim und Clemens
von Brentano, 1806/08). Die erworbene Handschrift enthält
vier Lieder: Nr. 1 "Rosmarin", Nr. 2 "Von
alten Liebesliedern", Nr. 3 "Waldesnacht"
und Nr. 4 "Dein Herzlein mild". Diese Lieder gehören
heute zum Standardrepertoire professioneller Chöre
und spiegeln gleichzeitig eines der Kernanliegen des Komponisten
wider: die Beschäftigung mit dem Volkslied, die u.
a. aus Brahms' eigener Tätigkeit als Leiter von Chören
resultierte.
Dass solche bedeutenden Brahms-Quellen heute noch auf dem
Markt auftauchen, ist sehr selten. Im Zusammenspiel mit
den in der einzigartigen Sammlung des Brahms-Instituts schon
vorhandenen Stichvorlagen sowie dem Erstdruck zu diesen
Chorliedern ermöglichen die neuen Handschriften einzigartige
Einblicke in den Kompositions- und Produktionsprozess dieser
Musik.
Auf einer Auktion ersteigerte das Brahms-Institut Ende 2008
das Autograph des Brahms-Liedes "Der Überläufer"
op. 48, Nr. 2. Der Text dieses Liedes stammt aus "Des
Knaben Wunderhorn". Das mit "Oktober 1855"
datierte kalligraphische Blatt wurde erst 1868 in der Liedersammlung
op. 48 gedruckt. Es ist Rosalie Leser gewidmet, einer blinden
Freundin von Clara und Robert Schumann, die auch Kla-vierschülerin
von Johannes Brahms war. Der Ankauf dieses kostbaren Blattes
wurde ermöglicht durch die Alfried Krupp von Bohlen
und Halbach-Stiftung.
Im Rahmen des Brahms-Festivals der Musikhochschule Lübeck
fand am Sonntag, 3. Mai, um 18 Uhr im Kammermusiksaal der
Musikhochschule eine Präsentation der Brahms-Handschriften
statt. Es wirkten mit die Chorakademie des Schleswig-Holstein
Musik Festivals unter Leitung von Rolf Beck und Prof. Dr.
Wolfgang Sandberger (Vortrag).
Lesen Sie den Artikel der Lübecker Nachrichten
zum Thema vom 4. Mai 2009
Prof. Dr. Wolfgang Sandberger, Leiter
des Brahms-Instituts, beim Vortrag über die neu
erworbenen Brahms-Handschriften.
Prof. Inge-Susann Römhild, Präsidentin
der Musikhochschule Lübeck, und der Bariton Gerard
Quinn mit dem "Überläufer" (op.
48 Nr. 2).
Die Chorakademie des Schleswig-Holstein
Musik-Festivals begeisterte mit einer beeindruckenden
Aufführung der Werke op. 62 Nr. 14 unter
der Leitung von Prof. Rolf Beck.
Zahlreiche Besucherinnen und Besucher
zeigten sich von den Autographen fasziniert.
Julia Rosenthal (Tochter von Albi Rosenthal)
vom Londoner Antiquariat Otto Haas freut sich hier mit
Prof. Dr. Wolfgang Sandberger, dass sie die Autographen
von op. 62 Nr. 14 an das Brahms-Institut vermitteln
konnte.