| Lübecker Nachrichten, 3. u. 4.. Mai 2009
Zehn Blätter aus Brahms'Werkstatt
Das Brahms-Institut freut sich über eine
Bereicherung seiner Sammlung. Wertvolle Handschriften
konnten mit Hilfe von Stiftungen erworben werden.
Es handelt sich um die Handschriften von vier der
Chorlieder op. 62, die sich nun in der Sammlung des
Instituts befinden. "Die zehn Blätter sind
uns von den amerikanischen Besitzern angeboten worden",
sagt der Musikwissenschaftler Wolfgang Sandberger,
der das Institut leitet. "Das ehrt uns als Forschungsinstitut
besonders - ganz abgesehen davon, dass wir bei einer
Auktion wohl kaum hätten mithalten können."
Ermöglicht wurde der Ankauf durch die Hilfe der
Possehl-Stiftung, der Kulturstiftung des Landes Schleswig-Holstein
und der Kulturstiftung der Länder.
Der Kaufpreis belief sich auf 110.000 britische Pfund,
zum Zeitpunkt des Vertragsabschlusses rund
147. 000 Euro. Die Finanzkrise hat den Pfund-Kurs
in die Knie gehen lassen, effektiv kosteten die Blätter
125. 000 Euro - eine glückliche Fügung für
den Erwerber.
Die Autographen haben eine bewegte Geschichte hinter
sich. 1936 erwarb sie ein jüdischer Arzt in Wien
bei einer Auktion, der Mediziner nahm sie wenige Jahre
später mit ins Exil in die USA. Die Nachfahren
des Mannes, die nicht genannt werden wollen, wandten
sich dann im vergangenen Jahr an das Lübecker
Institut. "Wir besitzen bereits die Stich-Vorlagen
und den Erstdruck der Lieder", sagt Wolfgang
Sandberger. "Durch die Handschriften ist es jetzt
möglich, einen Blick in Brahms' Komponistenwerkstatt
zu werfen. Das ist selten möglich, da Johannes
Brahms fast alle Entwürfe und Skizzen vernichtet
hat."
Die Neuerwerbungen werden im Rahmen des Brahms-Festivals
(siehe rechts) an der Musikhochschule am Sonntag um
18 Uhr im Kammermusiksaal durch Wolfgang Sandberger
vorgestellt. Die Chorakademie des Schleswig-Holstein
Musik Festivals wird die Lieder dann unter Leitung
von Rolf Beck zum Vortrag bringen. Zu besichtigen
sind die Handschriften dann vom 4. bis zum 10. Mai
täglich von 14 bis 18 Uhr im Brahms-Institut.
(Jürgen Feldhoff)
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