Lübecker Nachrichten, 2. November 2007,

Brahms für das 21. Jahrhundert

Lübecker Institut stellt "Digitalen Notenschrank" ins Internet

LÜBECK - Die Sammlung des Brahms-Institutes an der Musikhochschule Lübeck, zum allergrößten Teil von Renate und Kurt Hofmann in jahrzehntelanger Tätigkeit zusammengetragen, ist eine der größten Brahms-Sammlungen überhaupt. Das war bislang vor allein in musikologischen Fachkreisen bekannt.

Aber das wird sich ändern: Das Institut hat gestern seinen "Digitalen Notenschrank" geöffnet, in ihm sind im Internet ab sofort alle 160 im Institut vorhandenen Erstdrucke von Werken Johannes Brahms' abrufbar. Schleswig-Holsteins Wissenschaftsminister Dietrich Austermann startete das Projekt gestern in den Räumen des Instituts, sein Ministerium hatte die Digitalisierung der mehr als 10 000 Seiten mit mehr als 90 000 Euro aus dem Schleswig-Holstein-Fond gefördert. Austermann lobte die Arbeit der Lübecker Brahms-Forscher um Institutsleiter Wolf gang Sandberger. Neben dem Archiv des Bonner Beethoven-Hauses gebe es in Deutschland keinen weiteren Internet-Auftritt von solcher Quantität und Qualität. Austermann nannte den "Digitalen Notenschrank" den "Brahms für das 21. Jahrhundert" - und er stellte weitere projektgebundene Fördermittel für das Brahms-Institut in Aussicht, ohne Einzelheiten zu nennen.

Institutsleiter Sandberger nannte den neuen Internet-Auftritt, in dem die Erst- und frühen Drucke der Brahms-Werke Seite für Seite hochauflösend heruntergeladen werden können, eine Fundgrube für Brahms-Forscher. "Es gibt kaum Handschriften von Brahms, er hat fast alle Skizzen vernichtet. Umso wichtiger sind die Stichvorlagen und die frühen Drucke - und die kann man auf unseren Seiten in bester Qualität einsehen. Damit hat das Brahms-Institut einen entscheidenden Schritt von einer reinen Sammlung hin zu einem Forschungsinstitut gemacht - diesen Weg werden wir weitergehen."

Und das nächste Projekt ist bereits in Arbeit: Eine Katalogisierung der Briefe von und an Johannes Brahms. Mehr als 10 000, von denen nur ein Bruchteil bislang bekannt war, sind bereits erfasst, eine Datenbank mit diesen Briefen soll in absehbarer Zeit ebenfalls ins Internet gestellt werden. Bis zu einer Brief-Ausgabe aber werden noch Jahre vergehen.

[Jürgen Feldhoff]

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