Ausstellung in der Villa Eschenburg
über Brahms und Mozart
Weltkulturerbe unter Glas Im Brahms-Institut ist ein
Juwel zu bewundern:
Die Handschrift von Wolfgang Amadeus Mozarts berühmter
Sinfonie in g-moll.
Diese Handschrift verbreitet einen ganz speziellen Zauber.
Es ist die Macht des Originals, die man in den wunderschönen
Räumen der klassizistischen Villa zu verspüren
meint, wenn man vor der Vitrine mit den 43 Blättern
steht, die Mozart beschrieben hat und die später
Johannes Brahms gehörten. Eine Sinfonie, deren
erste Takte so bekannt sind wie kaum ein anderes Werk
des Salzburgers, liegt hier unter Glas und unter einer
Spezial-Folie, die die schädliche UV-Strahlung
abhalten soll. Ohne diese Handschrift würden wir
dieses Werk nicht kennen, nicht aus dem Konzertsaal
und nicht missbraucht aus dem Werbefernsehen. Diese
Handschrift ist das Original - man mag den Blick gar
nicht wieder abwenden von den wunderbar erhaltenen Seiten.
Außerdem erlaubt diese Handschrift, die vor wenigen
Wochen zum Unesco-Weltkulturerbe erklärt worden
ist, einen Einblick in die Kompositionswerkstatt Mozarts.
Von dem ist der berühmte Satz überliefert:
"Es ist alles fertig komponiert, aber noch nicht
geschrieben." Wie ein moderner Computer-Drucker
soll Mozart seine Werke fehlerfrei niedergeschrieben
haben. Fast fehlerfrei ist auch diese Handschrift der
g-moll-Sinfonie - aber sie ist nicht in einem Zug niedergeschrieben
worden. Mozart notierte zunächst die Bass- und
die Diskantstimme, später die mittleren Stimmen.
Das ist deutlich zu erkennen, weil er verschiedene Federn
und verschiedene Tinte benutzte. Außerdem schrieb
er zwei Fassungen der Sinfonie, eine mit und eine ohne
Klarinetten-Stimme.
Die Partitur, die im Mozart-Jahr 2006 außer in
Lübeck nur noch in Brüssel gezeigt wird, gehörte
zur großen Mozart-Sammlung von Johannes Brahms.
Der bewunderte Mozart von Jugend an, im heimatlichen
Hamburg bereits sah er seine ersten Mozart-Opern, als
Klavier-Virtuose trat er immer wieder mit Mozart-Programmen
auf. Mozart wurde zu einer lebenslangen Liebe von Brahms,
er gab später in der Mozart-Gesamtausgabe sogar
das Requiem heraus. "Brahms wollte nicht als Musikwissenschaftler
gelten, deshalb erschien er in der Ausgabe auch nicht
als Herausgeber", sagt Wolfgang Sandberger, Leiter
des Brahms-Institutes. "Fasziniert war Brahms auch
von der kompositorischen Selbstkritik Mozarts. In den
Mozart-Schriften, die Brahms besaß, hat er diese
Passagen angestrichen. Brahms selbst war ein unerbittlicher
Kritiker des eigenen Schaffens, er hat kaum Skizzen
und Entwürfe hinterlassen, viele frühe Werke
vernichtet."
Es ist eine vielschichtige Ausstellung, die sich um
die handschriftliche Partitur der berühmten Sinfonie
entfaltet. Bücher aus dem Besitz von Brahms, Notenmaterial
des Virtuosen Brahms, frühe Drucke, Briefe und
Notizblätter: Die Bewunderung des Hamburgers für
den Salzburger wird greifbar.
Nun war Brahms selbst jedoch nicht immer nur Objekt
der Bewunderung, auch das wird in der Ausstellung thematisiert.
Hermann Hesse etwa mochte Brahms' Musik überhaupt
nicht. In seinem Roman "Der Steppenwolf" lässt
er seinen schwierigen Helden Harry Haller im "Magischen
Theater" mit Mozart über Brahms plaudern.
Der taucht auf, an der Spitze eines Zuges von zehntausenden
schwarz gekleideten Männern. Und diese schwarze
Schar sind die - nach göttlichem Urteil - überflüssigen
Noten, die Brahms geschrieben hat.