Lübecker Nachrichten, 21.6.2005

Unterhaltung mit Anspruch
Salonkonzert in der Villa Eschenburg

Lübeck - Auf die sogenannte Salonmusik schauen Kritiker gern spöttisch herab. Ihnen scheint manches zu seicht. Überhaupt nicht seicht war die Musik des "Salonkonzertes in der Villa Eschenburg" der Musikhochschule. Hausherr Prof. Wolfgang Sandberger führte launig in die in Abständen angebotenen Musikblöcke im Hansen-Saal ein. Dazwischen durfte und sollte das Publikum wandeln, sprich das Brahms-Institut durchstreifen oder sich plaudernd im Park ergehen.

Im Dauereinsatz war Jacques Ammon, nicht nur als Klavierbegleiter, sondern auch als Solist (Schubert-Impromptu), bis hin zum Astor-Piazzolla-Finale, das Ammon teils allein, teils mit dem Initiator der Veranstaltung, Diethelm Jonas (Oboe), bestritt. Die beiden Herren hatten auch den Auftakt zelebriert, mit "Morceaux de salon" von Wenzeslaus Kalliwoda, besinnlich, heiter, temperamentvoll. Sehr ausdrucksvoll gestaltete Reiner Wehle danach Weber-Variationen sowie später Schubert-Lieder auf der Klarinette. Christiane Edinger zeigte sich zunächst von der heiteren Seite.

In den Miniaturen für Geige und Klavier von Fritz Kreisler verband sie Eleganz des Tons mit musikantischem Schwung. Auch den tiefsinnigsten Programmpunkt des Abends bescherte Frau Edinger den Gästen, die G-Dur-Sonatine von Anton Dvorák, in der manche schon Themen der "Sinfonie aus der neuen Welt" zu entdecken meinen. Funken sprühend wurde der Abschluss mit Piazzolla-Kompositionen bestaltet, und zwar nicht nur mit dessen berühmten argentinischen Tangos. Das gelungene Konzert macht Lust auf die Reihe "Brahms-Café in der Villa" im August.

Konrad Dittrich


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