Unterhaltung mit Anspruch
Salonkonzert in der Villa Eschenburg
Lübeck - Auf die sogenannte Salonmusik schauen
Kritiker gern spöttisch herab. Ihnen scheint manches
zu seicht. Überhaupt nicht seicht war die Musik
des "Salonkonzertes in der Villa Eschenburg"
der Musikhochschule. Hausherr Prof. Wolfgang Sandberger
führte launig in die in Abständen angebotenen
Musikblöcke im Hansen-Saal ein. Dazwischen durfte
und sollte das Publikum wandeln, sprich das Brahms-Institut
durchstreifen oder sich plaudernd im Park ergehen.
Im Dauereinsatz war Jacques Ammon, nicht nur als Klavierbegleiter,
sondern auch als Solist (Schubert-Impromptu), bis hin
zum Astor-Piazzolla-Finale, das Ammon teils allein,
teils mit dem Initiator der Veranstaltung, Diethelm
Jonas (Oboe), bestritt. Die beiden Herren hatten auch
den Auftakt zelebriert, mit "Morceaux de salon"
von Wenzeslaus Kalliwoda, besinnlich, heiter, temperamentvoll.
Sehr ausdrucksvoll gestaltete Reiner Wehle danach Weber-Variationen
sowie später Schubert-Lieder auf der Klarinette.
Christiane Edinger zeigte sich zunächst von der
heiteren Seite.
In den Miniaturen für Geige und Klavier von Fritz
Kreisler verband sie Eleganz des Tons mit musikantischem
Schwung. Auch den tiefsinnigsten Programmpunkt des Abends
bescherte Frau Edinger den Gästen, die G-Dur-Sonatine
von Anton Dvorák, in der manche schon Themen
der "Sinfonie aus der neuen Welt" zu entdecken
meinen. Funken sprühend wurde der Abschluss mit
Piazzolla-Kompositionen bestaltet, und zwar nicht nur
mit dessen berühmten argentinischen Tangos. Das
gelungene Konzert macht Lust auf die Reihe "Brahms-Café
in der Villa" im August.