| Lübecker Nachrichten, 9.2.2005
Neue Schätze für
das Brahms-Institut
Das Brahms-Institut an der Musikhochschule Lübeck
kann einige spektakuläre Neuerwerbungen präsentieren.
Das herausragendste Stück ist die Abschrift einer
Partitur von Beethovens 8. Sinfonie aus dem Besitz
und mit schriftlichen Anmerkungen von Johannes Brahms,
der sie laut Eintrag 1855 in Hamburg erwarb.
Wertvoll für die Brahms-Forschung ist auch ein
Erstdruck von Brahms' "Ein deutsches Requiem"
aus dem Besitz des Komponisten. "In der Partitur
ist eigentlich eine Orgel vorgesehen", erläutert
Wolfgang Sandberger, Leiter des Brahms-Institutes.
"In dieser Partitur trug Brahms immer wieder
ein Contra-Fagott als Ersatz für die tiefe Orgelstimme
ein; unsere Aufgabe ist es jetzt herauszufinden, wo
das Requiem nach 1869 ohne Orgel aufgeführt wurde."
Eine weitere Seltenheit konnten die Brahms-Forscher
und -Sammler bei einem Leipziger Händler ausfindig
machen: Eine Originalausgabe des Radierzyklus "Amor
und Psyche" von Max Klinger, "dem Komponisten
Johannes Brahms zugeeignet". Mehr als 20 Jahre
hatten Renate und Kurt Hofmann, die Begründer
des Brahms-Institutes, vergeblich nach einer Ausgabe
dieses Zyklus gesucht. Johannes Brahms bedankte sich
für Klingers Widmung mit der Zueignung der "Vier
ernsten Gesänge" an den Künstler, der
später auch noch die "Brahmsphantsien"
schuf.
Das Brahms-Institut steht außerdem kurz davor,
einen weiteren Schatz zu heben. In der Schweiz wird
derzeit ein Albumblatt Brahms' angeboten, das auf
der Vorderseite einen Abschnitt aus der so genannten
"Regenlied"-Sonate für Violine trägt,
auf der Rückseite einen Brief an Clara Schumann.
Dieses Blatt ist in der Brahms-Forschung kaum bekannt,
für den Erwerb engagieren sich mehrere Stiftungen.
Wolfgang Sandberger ist deshalb zuversichtlich, das
wertvolle Blatt bald in seine Bestände im Institut
einordnen zu können.
Ein Großprojekt, dessen Dauer Sandberger auf
vier bis fünf Jahre beziffert, entsteht derweil
außerdem in der Villa Eschenburg, dem wunderschönen
Sitz des Instituts. "Wir beginnen gerade mit
einem Verzeichnis aller Brahms-Briefe", sagt
Sandberger. "Mit den Gegenbriefen zusammen sind
es etwa 10 000. Diese Arbeit ist eine Vorstufe zu
einer kompletten Neuausgabe der Brahms-Briefe - das
wird ungefähr 20 Jahre dauern, wenn uns die Personal-
und Finanzmittel gewährt werden". Gearbeitet
wird auch am Internet-Auftritt: Unter www.brahms-institut.de
finden sich immer mehr Bilder aus den Beständen
des Instituts.
Jürgen Feldhoff
|