| Lübeckische Blätter, 13. November 2004,
169. Jahrgang, Heft 18
Gedenkwoche
zum 50. Todestag von Wilhelm Furtwängler
Mit drei Beiträgen zeichnete die
Musikhochschule ein vertiefendes Bild von der Vielseitigkeit
Furtwänglers, der sich komponierend, reflektierend
und interpretierend mit Musik befasste. [...] Den
Abschluss bildete dann Prof. Dr. Wolfgang Sandberger,
der sich unter dem Titel "Pathos der Sachlichkeit"
mit Furtwängler als Brahms-Interpreten beschäftigte.
Zusammen mit dem Pianisten Konrad Elser, der zu Beginn
Brahms' Klavierstücke op. 118 und zum Abschluss
Furtwänglers Drei Klavierstücke (1903) gestaltete,
vertiefte Sanberger, der Spiritus rector dieser kleinen,
dennoch gewichtigen Vortragsreihe und Leiter des Brahms-Institutes,
sich in die Auseinandersetzung Furtwänglers mit
dem großen klassisch-romantischen Komponisten.
Die zeigte sich schon früh als "Konstante
in Furtwänglers musikalischer Lebenswelt".
Die große Verehrung für Brahms belegt eine
Reihe von Aufsätzen, in denen er sich mit dessen
Schaffen auseinander setzte. Zentralen Rang nimmt
dabei der Begriff "Sachlichkeit" ein, der
zu der scheinbar diametralen Auffassung von Schönberg
und Furtwängler führte. Der eine nennt Brahms
den "Fortschrittlichen", der andere sieht
in ihm den beispielhaften Klassiker, der durch sein
Schaffen Endpunkt der "Weltgeltung der deutschen
Musik" sei. Im letzten Teil schließlich
führte Sandberger, auch mit Klangbelegen, vor,
wie Furtwängler als Dirigent sich Brahms näherte
- insgesamt ein spannendes Unterfangen.
Arndt Voß
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