Dithmarscher Landeszeitung, 01.03.2004Faszinierendes Gesprächskonzert "Frei aber einsam": Wenn aus einem
Motto ein klingendes Motiv entsteht
Heide - Genau so wünscht man sich ein Hauskonzert:
Im familiären Rahmen mit Freunden gute Musik hören
und nebenbei auf leichte Weise den eigenen musikalischen
Horizont erweitern.
Eine Atmosphäre wie beim Gesprächskonzert
der Brahmsgesellschaft Schleswig-Holstein. Unter dem
Motto "Frei aber einsam" annonciert, entpuppte
sich der Abend als Blick in das Zeitfenster der Romantik.
Dr. Wolfgang Sandberger, passionierter Musikwissenschaftler
mit Lehrauftrag an der Musikhochschule Lübeck,
Direktor des dortigen Brahmsinstitutes und zugleich
Stellvertreter von Eckart Besch in der Brahmsgesellschaft
unseres Landes, füllte dieses Zeitfenster mit Leben
- gemeinsam mit der jungen begabten Pianistin Astrid
Kröger.
Im Motto "Frei aber einsam" verbirgt sich
ein musikalisches Anagramm. Nimmt man die Anfangsbuchstaben
f-a-e und setzt sie auf der Klaviatur eines Flügels
in Töne um, entsteht ein klingendes Motiv.
Im Freundeskreis rund um Robert und Clara Schumann im
Düsseldorf der 1850er Jahre, zu dem auch der eben
20jährige Hamburger Musiker Johannes Brahms gehörte,
wurde die kompositorische Verarbeitung von dergleichen
Anagrammen zu einem beliebten Gesellschaftsspiel. Zu
dem allerdings nur Zugang hatte, wer sich in der Tonsprache
auskannte.
Sandberger verstand es mit Charme, Humor und Kenntnisreichtum,
uns Heutigen eine Tür zu öffnen zu diesem
exklusiven Zirkel. Dennoch grau geblieben wäre
dies wie jede Theorie, hätte nicht Astrid Kröger
am neuen zierlichen Bechstein-Flügel, der inzwischen
den "Steinway-Büffel" (Zitat: Eckart
Besch) ersetzt, mit ihrem sensiblen Anschlag auch die
Spreu vom Weizen zu trennen gewusst.
Selbst dem nicht in klassischer Musik trainierten Hörer
wurde in dem 50-minütigen Konzert mit gespielten
Albumblättern aus dem Schumann-Brahms-Umfeld klar,
dass Brahms daraus hervorragte. Robert und Clara Schumann
hatten ihn nicht zu Unrecht auf ein Podest gestellt,
als er erst 20 war. Der dann trotz vieler Freunde das
Schicksal lebte, "frei aber einsam" zu bleiben.