Lübecker Nachrichten, 22.1.2004

Der Hamburger Johannes Brahms
hat in Lübeck ein neues Domizil gefunden.
In der Villa Eschenburg gibt es eine erste Ausstellung über Brahms.

Die Villa ist ein Schmuckstück, eine erste Reihe von Gesprächskonzerten und Vorträgen lockte bereits viele Besucher in die Räume des Brahms-Instituts an der Musikhochschule Lübeck, das von dem Musikwissenschaftler Wolfgang Sandberger geleitet wird. Der verwaltet einen wahren Schatz, der zum größten Teil von dem Professoren-Ehepaar Renate und Kurt Hofmann zusammen getragen worden ist. Mit einem Albumblatt und einer alten Fotografie begann einst Hofmanns Brahms-Leidenschaft - heute verfügt das Institut über eine der größten Brahms-Sammlungen Europas.
Die erste Ausstellung in der Villa Eschenburg, die vom kommenden Dienstag an für die Öffentlichkeit zugänglich ist, trägt den Titel "Johannes Brahms - Zeichen, Bilder, Phantasien". Sie zeigt in acht Abteilungen teilweise unveröffentlichte Musikhandschriften, Fotos, Briefe und Konzertprogramme aus der Sammlung des Instituts. "Brahms war ein Augenmensch", sagt Wolfgang Sandberger dazu, "er sammelte zum Beispiel Bilder im Format einer Visitenkarte, er besuchte gerne Museen und Ausstellungen". Zu sehen sind in der Schau unter anderem die Radierungen von Max Klinger zu Werken von Johannes Brahms, einer wie nur selten gelungenen Symbiose aus Zeichnung und Musik. Symbolistische Malerei und Tonkunst gehen hier eine Verbindung ein, die die seelischen Stimmungen etwa von Hölderlins "Schicksalslied" durch Brahms perfekt illustrieren.
Es gibt über Brahms' Schaffensprozess nur wenige Aussagen von ihm selbst. Immerhin sagte er einmal "Ich lasse mir beim Spazierengehen Melodien einfallen". Wie das vor sich ging, wird in der Ausstellung an einem kostbaren Manuskript deutlich, das 2002 vom Brahms - Institut mit Hilfe der Possehl-Stiftung, der Kulturstiftug der Länder und dem Kultur-Staatsministerium des Bundes erworben wurde. Das Manuskript zu "Liebesglut" op. 47 Nr. 2 zeigt eben den Moment, in dem der Einfall zu Papier gebracht wurde - ein Kleinodium der an wunderbaren Stücken so reichen Sammlung des Instituts.
Musik-Ausstellungen sind jedoch grundsätzlich problematisch, weil sich nicht für jeden Besucher etwa aus dem Notenbild Klänge entwickeln. In der Ausstellung gibt es die Möglichkeit, an Klangsäulen Brahms-Musik zu hören und gleichzeitig den betreffenden Autograph, die Stichvorlage oder den Erstdruck des Werkes zu betrachten. Das ist didaktisch beeindruckend gut gelungen: Diese kleine , aber feine Ausstellung wirkt nicht zuletzt durch ihre geschmackvolle Aufmachung.

Öffnungszeiten ab 27. Januar Dienstag 10 - 14 Uhr, Mittwoch und Freitag 14 - 18 Uhr.

Jürgen Feldhoff



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