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Die Schau zeigt kostbare Exponate aus der Lübecker
Sammlung, darunter Musikhandschriften, Briefe, Notendrucke
und Fotografien. Im Mittelpunkt steht die Rekonstruktion
von Brahms' Wiener Musikzimmer als Beispiel für ein
bürgerliches Interieur im ausgehenden 19. Jahrhundert.
Zum 175. Geburtstag von Johannes Brahms am 7. Mai 2008 eröffnet
das Brahms-Institut an der Musikhochschule Lübeck die
neue Sonderausstellung "Johannes Brahms - Ikone der
bürgerlichen Lebenswelt?" Bis Ende August zeigt
die Schau kostbare Exponate aus der Lübecker Sammlung,
darunter Musikhandschriften, Briefe, Notendrucke und Fotografien.
Im Mittelpunkt steht die Rekonstruktion von Brahms' Wiener
Musikzimmer als Beispiel für ein bürgerliches
Interieur im ausgehenden 19. Jahrhundert. Das Bildprogramm
mit Bismarck im preisenden Lorbeerkranz ist ebenso aufschlussreich
wie die Portraits der verehrten Musiker. Dabei hatte Brahms
die Büste von Beethoven im wahrsten Sinne des Wortes
im Nacken, wenn er am Klavier saß.
Die Ausstellung gibt weiterhin Einblicke in die bürgerliche
Musikkultur, ohne die das kompositorische Werk von Brahms
kaum vorstellbar wäre. Als Komponist von Sinfonien
und großformatigen Chorwerken sowie intimen Liedern
und Kammermusikwerken kam er einem Publikum entgegen, das
die repräsentative Geste der öffentlichen Musikfeste
und Konzerte sowie den Rückzug ins Private des Salons
gleichermaßen schätzte. Mit zahlreichen Bearbeitungen
eigener und fremder Werke für Klavier, dem Hausmusik-Instrument
par exellence, entsprach Brahms auch dem bürgerlichen
Bildungsbedürfnis seiner Zeit.
Die Schau thematisiert freilich auch die Brüche dieser
bürgerlichen Lebenswelt: Zeitlebens blieb der Hamburger
- kaum typisch für eine bürgerliche Biographie
- unverheiratet. Stattdessen pflegte Brahms vor allem in
seiner Wahlheimat Wien einen großen Freundeskreis,
der ihm zum Teil auch familiäre Geborgenheit vermittelte.
Wichtige Begegnungen der ersten Stunde, etwa mit dem Geiger
Joseph Joachim oder dem Münsteraner Musikdirektor Julius
Otto Grimm, trugen noch die Zeichen eines romantisch-schwärmerischen
Freundschaftsbundes. Wichtigstes Kommunikationsmedium war
damals der Brief. Als Briefschreiber - das Brahms-Briefe-Verzeichnis
des Instituts listet momentan mehr als 10.800 Schreiben
von und an Brahms auf - war der Komponist zugleich an der
vorrangig vom Bürgertum getragenen Briefkultur des
19. Jahrhunderts beteiligt.
Zahlreiche Fotografien, Zeichnungen und Porträtbüsten
hielten das unverwechselbare Konterfei der inzwischen prominenten
Wiener Musikerpersönlichkeit fest - meist mit Rauschebart,
Zigarre und Querbinder. Im Zeitalter des Geniekults wurden
zudem alltägliche Gebrauchsgegenstände der Künstler
zu symbolträchtigen Erinnerungsstücken stilisiert,
eine Überhöhung, die bisher nur Heiligen in Form
der Reliquienverehrung zu Teil geworden war. Dazu gehören
auch die am Todestag genommene Haarlocke von Johannes Brahms,
seine Rauchutensilien oder die persönliche Brieftasche.
Die Ausstellung behandelt die genannten Themen in verschiedenen
Abteilungen und macht sie an vier Hörsäulen mit
Musik und Texten nachvollziehbar. Begleitend sind Lesungen
und Vortragskonzerte geplant, deren Termine
rechtzeitig bekannt gegeben werden.
[Prof. Dr. Wolfgang Sandberger , Dipl.-Musbibl. Stefan Weymar
M.A.]
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